Wirklich „smart“: Das Huawei Mate 10 Pro im Test

2007 gilt als das Geburtsjahr der Smartphones, Steve Jobs führte uns mit dem ersten iPhone in die mobile Welt des Internets ein, doch erst im Jahr 2017, zehn Jahre später, beginnen die Smartphones wirklich „smart“ zu werden und fange an, richtig zu lernen. Mit dem Huawei Mate 10 Pro bringt der chinesische Hersteller das erste Smartphone miteinem Offline KI-Prozessor auf den Markt.

Bevor wir jedoch in diesem Testbericht dazu kommen, was die „NPU“ jetzt so toll und besser können soll, kommen wir zunächst mal zum

Lieferumfang und Verpackung

Wenn die Verpackung des Gerätes vor einem liegt, fällt auf: Wow, da wurde sich wieder mal Mühe gegeben. Das eigenständige Huawei-Design geht schon bei der Verpackung los, der sogenannte „Gradient Style Strip“ findet sich auch auf der Verpackung.

Wird diese geöffnet kommt erst das Gerät auf einem Kunststoffträger zum Vorschein. Das USB-Typ C Kabel (USB 3.1), passende Typ-C Kopfhörer, und ein SuperCharge genanntes Netzteil finden sich in separaten Boxen voneinander getrennt unterhalb des Trägers. Löblich: Auch eine Plastikhülle liegt dem Gerät bei, auch wenn diese meiner Meinung nach das Design des Mate 10 Pros kaputt macht.

 

Design & Spezifikationen

Zum Design muss beim Huawei Mate 10 Pro denke ich nicht viel gesagt werden. Das Mate 10 hat in seiner Pro-Version eine Glasrückseite, die zwar verdammt edel aussieht, jedoch Fingerabdrücke magnetisch anzieht. Eingerahmt sind die Glasoberflächen von einem Aluminiumrahmen.

Das gesamte Gerät fasst sich sehr edel an und die Verarbeitung kann nur in höchsten Tönen gelobt werden. Für ein Flaggschiff im 700€ Preissegment ist das aber auch zu erwarten.

Eingeschaltet wird das Huawei Mate 10 Pro auf der rechten Seite, wo auch mittels Lautstärkewippe die Tonausgabe gesteuert wird. Auf der Oberseite findet sich ein IR Sender für die Steuerung infrarotfähiger Geräte und das Sekundärmikrofon für die (exzellente) Geräuschunterdrückung bei Anrufen. Der IR-Sender hat aus unbekannten Gründen bei unserem Testgerät nicht funktioniert, das zweite Mikrofon jedoch sehr gut.

Die rechte Seite ist vom SIM-Träger besetzt, auf der Unterseite befindet sich der Lautsprecher und der USB-Typ C Anschluss. Die Rückseite beherbergt die Dual-Kamera von Leica, die durch den „Gradient Style Strip“ besonders hervorgehoben wird und traditionell bei Huawei-Flaggschiffen den Fingerabdrucksensor. Für den nun modernen 21:9 Bildschirm mussten so keine Kompromisse mit der Entsperrtechnik eingegangen werden. Die Rückseite ist mein persönliches Design-Highlight des Mate 10 Pro´s, gerade die Glasrückseite fasst die Kameras sehr schön ein und das ganze Gerät wirkt wie aus einem Teil.

Habe ich etwas vergessen? Die 3,5mm Kopfhörerbuchse? Nein, leider nicht. Denn auch Huawei verbaut eben diese auch nicht mehr, so wie es wohl der neue Trend in der Smartphone-Branche ist. Der Ton wird auch hier über einen normalerweise mitgelieferten Adapter auf 3,5mm Klinke oder über entsprechende USB-Typ C Peripherie übertragen.

Besonders sticht die Dualkamera des Huawei Mate 10 Pro´s heraus

Das Display geht auch dem Trend zur Randlosigkeit nach, möchte jedoch nicht komplett „bezel-less“ oder „Infinity“ abgerundet und geedged sein, sondern ist einfach ein Display mit einem sehr, sehr dünnen Rahmen, was in Verbindung mit dem sonstigen schlichten Design meiner Meinung nach die schönste Lösung eines rahmen“losen“ Displays ist.

Das OLED Panel stammt von Samsung und löst mit 2160×1080 Pixeln auf, damit im 21:9 Format. Es gibt trotz dieser Technik die Farben sehr realistisch wieder und kann trotzdem sehr große Kontraste darstellen. Leider hat auch das Display im Huawei Mate 10 Pro mit einem typischen OLED-Problem zu kämpfen; bei seitlicher Betrachtung kommt ein leichter Grünstich ins Bild. Die Helligkeit ist nicht überragend, aber doch mehr als ausreichend um auch draußen problemlos Inhalte ablesen zu können.

CPU HiSilicon Kirin 970 – Octa-Core – bis zu 2,36 GHz im bigLITTLE Cluster
GPU  Mali G72
RAM/Speicher 6GB LPDDR4/128GB UFS 2.0
SIM Dual (nanoSIM) beide VoLTE fähig
Rückkamera 1 16 Megapixel f/1.6 Blende, LaserAF, DualLED Blitz, OIS
Rückkamera 2 20 Megapixel f/1.6 Blende, monochrom LaserAF, DualLED Blitz, OIS
Frontkamera 8 Megapixel
Bildschirm 6 Zoll, 21:9 Format, 2160×1080 Pixel Auflösung
WLAN WiFI 802.11 a/b/g/n/ac 2,4+5GHz
andere Funktechnik Bluetooth 4.2, GPS/aGPS Beidou, Galileo
Akku 4000mAh „SuperCharge“
OS Android 8.0 Oreo (EMUI 8.0)
Besonderheiten LTE Cat 16 (bis zu 1GBit/s)

 

System & Performance

Kurz gesagt: Sauschnell. Der Kirin 970 macht dem Huawei Mate 10 Pro mächtig Dampf unterm Kessel. Alles alltägliches wie WhatsApp, Snapchat und Co macht das Gerät mit links, das ist klar. Jedoch auch aufwendigere Dinge wie das Rendern von Fotos/Videos und vor allem Spiele gehen butterweich von der Hand. Ich habe in keiner Situation irgendwelche Ruckler oder lange Ladezeiten erleben müssen. Und auch oder gerade EMUI oder EmotionUI wie Huawei seine UI nennt macht das Mate 10 Pro gefühlt nochmals schneller.

Einige Dinge wie zum Beispiel die „Knuckle-Control“ das Ausführen bestimmter Aktionen mithilfe des Fingerknöchels machen das Gerät auch sehr praktisch. So kann zum Ausführen zweier Apps gleichzeitig einfach eine horizontale Linie übers Display gezogen werden. Screenshots werden durch das zweimalige Klopfen mit dem Fingerknöchel aufgenommen. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite hat auch die Funktionen aus den Vorgängergenerationen übernommen, das Scrollen durch Fotos und das Aufrufen des Benachrichtigungszentrums gehören dazu. Auch einzelne Apps können (zum Glück) durch den Fingerabdruck gesichert werden.

Auch an ein Always-On Display hat Huawei gedacht, die Einstellung „Immer Infos zeigen“ ist jedoch in den Sperrbildschirmeinstellungen zu finden, nicht etwa bei den Benachrichtigungen.

 

Kamera

Die Kamera im Huawei Mate 10 Pro hat sich das „Leica“ Siegel wirklich verdient. Dank der riesengroßen Blendenöffnung von f/ 1.6 ist die Kamera gerade für beeindruckende Makro- und Lowlight Aufnahmen geeignet. Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, jedoch ist die Nachbearbeitung der Bilder über die Software so stark, dass Landschaften bei schlechtem Wetter oder Nebel so zermatscht aussehen, dass auch Anfänger und Schnappschussfotografen lieber einfach in RAW aufnehmen sollten. Im Nahbereich und bei Sonnenschein ist die Kamera jedoch super und liefert Topbilder.

Durch den PRO-Modus, der schon länger in Huawei-Flaggschiffen verbaut ist, können Dinge wie ISO und Belichtungszeit eingestellt werden. Lange Belichtungszeit gibt es auch in den Modi „Lichtmalerei“ und „Nachtaufnahme“. Während bei der „Lichtmalerei“ noch aus der Hüfte geschossen werden kann, erweisen sich Aufnahmen mit sehr langer Belichtungszeit von über 5 Sekunden ohne Stativ als witzlos. Der Bildstabilisator leistet also bei der „Lichtmalerei“ gute Arbeit, kann meine Zitterhände aber nicht ganz ausgleichen.

Die Doppelkamera schießt im Lowlight-Bereich sehr gute Fotos, das ist einerseits der f/1.6 Blende zu verdanken und andererseits auch einem Trick aus der Natur. Die Monochromkamera kommt zum Einsatz, wenn der Nachtmodus oder der Monochrommodus gewählt wird. Diese übernimmt die gleiche Funktion, wie die Stäbchen im menschlichen Auge. Sie ist lediglich für die Helligkeitsunterschiede verantwortlich, die Farben „denkt“ sich das Mate 10 Pro so weit, wie aus der Farbkamera noch zu erkennen ist dazu und verstärkt diese über die Softwarenachbearbeitung.

Die Kamera-App ist die einzige App, in der die  neue „NPU“ sichtbar zum Einsatz kommt. Hier zeigt sich, dass die Offline Motiverkennung sehr sehr schnell und zuverlässig funktioniert. Ein kleines Symbol links des Auslösers zeigt an, welche Situation im Bild erkannt wird, sei es Essen, eine Blume, ein Sonnenuntergang und auch Haustiere wie Katzen werden erkannt. So richtig in Aktion kommt die „NPU“ jedoch nicht, jedenfalls kann ich keine Änderungen der Kameraeinstellungen feststellen, wenn ein Motiv erkannt wurde. So scheint die Motiverkennung bisher nur eine Demonstration von Huawei zu sein, was diese können würde. Bisher ist das nämlich noch nicht viel.

Bilder vom Huawei Mate 10 Pro:

 

Akku und Laufzeit

 

Der Akku des Huawei Mate 10 Pro ist mit 4000 mAh für heutige Standards großzügig bemessen, die Akkulaufzeit ähnelt dem Xiaomi Redmi Note 3 Pro (Test), wenn sie nicht sogar besser ist. Man kommt bei Nutzung des Always-On Displays geschmeidig über den Tag. Bei moderater Nutzung (Whatsapp, gelegentlich Apps der sozialen Netzwerke, zwischendurch leichte Spiele, kein Always-On Display) kommen gut und gerne 2,5 komplette Tage Laufzeit zusammen.

Mit dem Always-On Display werden daraus jedoch „nur noch“ ganze zwei Tage, bei höherer Last über den Tag muss das Huawei Mate 10 Pro schon am nachmittag des nächsten Tages aufgeladen werden.

Dafür verwendet Huawei das neue System „SuperCharge“ aus eigenem Hause, welches sich dadurch auszeichnet, ein TÜV-Zertifikat tragen zu dürfen. Es lädt den Akku des Huawei Mate 10 Pro mit bis zu satten 4,5A (!!) bei 5V in 25 auf die Hälfte auf, die komplette Ladung dauert etwa 1 3/4 Stunden.

Um zu demonstrieren, wie super „SuperCharge“ sein soll, gibt das Mate 10 Pro die Prozente in der Sperrbildschirmanimation auch gleich mit einer Nachkommastelle an, immerhin wissen wir so dass das Netzteil wirklich stark für ein Smartphone-Ladegerät ist.

Trotz der „Pro“-Exklusiven Glasrückseite ist kein drahtloses Laden verbaut, das ist schade, gerade wenn der Trend in Richtung „drahtlos“ geht und für diese „drahtlose Zukunft“ schonmal die Kopfhörerbuchse weggelassen wird.

Konnektivität

Auch in diesem Punkt bringt Huawei neben Innovationen auch „traditonelle“ Technik in ihrem Mate 10 Pro. So ist beispielsweise neben dem brandneuen LTE Cat. 16 Modem „nur“ Bluetooth 4.2 verbaut, kein Bluetooth 5.0. Auch wurde trotz der für das Cat. 16 Modem benötigten Glasrückseite kein Wireless Charging verbaut, was wir sehr schade finden, da es kein teures Bauteil ist und ein aktuelles Feature geworden ist.

Die Geschwindigkeiten sind auch in funktechnisch eher schlecht versorgten Gebieten mehr als ausreichend. Der Empfang ist absolut stark, der Datendurchsatz des WLANs in verschiedenen Netzwerken bleibt über das gesamte Empfangsspektrum zuverlässig hoch.

Ausgerechnet beim Bluetooth jedoch musste ich eine schlechte Erfahrung machen, ein ganz normaler Prozess, den selbst zehn Jahre alte Klapphandys einwandfrei beherrschen. Es war nicht möglich, das Huawei Mate 10 Pro mit dem earebel Headset zu koppeln und es als Wiedergabegerät für die Medienwiedergabe zu benutzen. In meinem Alltag war dies eine massive Einschränkung über den Testzeitraum. Wir hoffen dass Huawei das Problem mit Bluetooth-Headsets in den Griff bekommt, das Bespaßen eines normalen Bluetoothlautsprechers und die Dateiübertragung, falls das noch jemand benutzt, funktioniert nämlich einwandfrei.

Preis

Auch Huawei ist mittlerweile im Mainstream der Smartphonewelt angekommen. Zeiten, in denen Huawei als wirklich günstige Alternative zu anderen Smartphoneherstellern darstellte, sind leider vorbei. So ruft Huawei für sein Flaggschiff auch einen Flaggschiffpreis auf; dieser liegt mit einer UVP von 799€ auf dem Niveau eines aktuellen iPhone 8 oder Samsung Galaxy S8. Wir reden jedoch von der UVP des Herstellers, der sogenannte „Straßenpreis“ liegt oftmals deutlch unter dieser.

Wirklich „smart“: Das Huawei Mate 10 Pro im Test
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