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Amazfit GTS im Test: Wirklich eine Smarte Uhr?

von Nils Ahrensmeier

Die Amazfit GTS ist die neueste Flaggschiff-Smartwatch von der Tochterfirma des Xiaomi Konzerns. Xiaomi selbst hatte bisher nur die Mi Band Reihe produziert, dessen neuester Tracker auch bei uns im Test war. Die Amazfit Uhren sollen aber mehr als nur ein kleiner Tracker am Arm sein. Ob die Amazfit GTS dieses Versprechen halten kann, werdet ihr in diesem Testbericht erfahren.

 Vielen Dank an Amazfit Deutschland für die Bereitstellung des Testgerätes.

Lieferumfang:

Neben der schön verpackten Uhr liegt noch das Ladekabel mit dabei. Auch ein mehrsprachiges (also auch Deutsches) Quick-Start Guide Buch liegt im Lieferumfang mit bei.

Huami-Amazfit-GTS-Lieferumfang

Der Lieferumfang der GTS ist Standard.

Design:

Erst mal zur Klarstellung: Apple hat das viereckige Uhrendesign nicht erfunden! Apple hat dieses aber durch ihre Apple Watch Serie bekannt gemacht. Ich war nie wirklich Fan von diesem Uhrendesign, konnte mich aber nach einiger Zeit daran gewöhnen. Mit den Abmessungen 43,25 x 36,25 x 1,1 mm und einem 1,65″ AMOLED Display ist die Uhr aber fast identisch mit der Apple Watch Series 5 welches dann doch sehr auffällig ist.

Verarbeitung der Amazfit GTS:

Die Uhr ist wirklich hochwertig verarbeitet. Dies merkt man vor allem an dem schönen Aluminium-Gehäuse. Auch an der Unterseite wo sich die Sensoren befinden, ist die Uhr angenehm verarbeitet und deswegen merkt man im Alltag auch nicht, dass man die Uhr trägt. Die Uhr gibt es in insgesamt 6 Farben: Schwarz, Grau, Blau, Rot, Rosé und Gold. Dabei unterscheiden sich diese nur durch das mitgelieferte Armband bis auf “Rosé und Gold“. Bei den Farboptionen ist auch das Aluminium-Gehäuse gefärbt.

Huami-Amazfit-Smartwatch-GTS-Farben

Dies sind alle Farben der Amazfit GTS (Quelle: Hersteller)

Display der Amazfit GTS:

Kommen wir dann zum Display. Wir haben wie oben schon erwähnt ein 1,65 Zoll AMOLED Display mit einer Auflösung von 348 x 442 Pixeln. Auf dem Papier sind dies 341 ppi (Pixel per Inch) also sogar 15 ppi mehr als die Apple Watch Series 5. Aber wie schlägt sich denn das Display im Alltag? Kurzgesagt ist dieses Display fantastisch! Vor allem im Dunklen sieht man wirklich die perfekten Schwarzwerte des Displays. Ich hatte nie Probleme das Display auch bei Sonnenlicht abzulesen und auch die Auflösung an sich ist wirklich gestochen scharf. Die 341 ppi sind also kein Gimmick, sondern sorgen wirklich für ein super Display. Das Display wird durch Corning Gorilla Glas 3 geschützt und ist an den Ecken leicht abgerundet.

Bei der Helligkeit hat mir die automatische Helligkeit immer super ausgereicht. Die Erkennung ist wirklich gut und vor allem wegen den guten Farbkontrasten musste ich die Helligkeit nie umstellen. Wie auch schon beim Mi Band liebe ich die Erkennung des Touchdisplays. Alle Eingaben werden erkannt und das auch mit sehr geringer Latenz.

Huami-Amazfit-GTS-Display

Das Display der GTS ist wirklich ein Highlight.

Das Always On Display…. Naja.

Wer nicht weiß, was ein Always On Display ist, hier eine kurze Erklärung. Das Always On Display zeigt nur die Uhrzeit und zwei andere Informationen an. Dies kontinuierlich und es deaktiviert sich nur, wenn ihr schlaft. Dies ist zwar eine schöne Funktion und durch das AMOLED Display auch super ablesbar, aber es zieht einfach viel zu viel Akku. Die raise-to-wake Erkennung ist so gut, dass ich das Always on Display nach einer Akkuladung ausgeschaltet habe. Solange es so viel Akku zieht, ist die Funktion unnötig.

Betriebssystem der Amazfit GTS:

Kommen wir wohl zum offensichtlichen Kritikpunkt. Das Betriebssystem ist ein Amazfit/Xiaomi eigenes System und hat auch dementsprechend weniger Funktionen als WearOS, Tizen oder WatchOS. Denn je nach Einschätzung ist dies hier keine richtige “Smartwatch“ sondern eher ein Fitnesstracker+. Es gibt hier nur wenig Hardware, dafür ist diese aber super mit der Software abgestimmt. So haben wir hier keinen AppStore, keinen richtigen internen Speicher (Nur so wenig, dass es für Speichern der Workouts reicht) und für Verbindungen gibt es nur BL5, kein WLAN. Für das Fitnesstracking gibt es GPS, GLONASS, optischer BioTracker Pulsmesser, ein 6-Achsen Beschleunigungssensor, ein Luftsensor sowie ein geomagnetischer Sensor. Trotzdem hat es einige gute Funktionen und auch die Bedienung ist super.

Der Startbildschirm ähnelt auch dem der Apple Watch. Amazfit liefert zwei anpassbare “Watchfaces“ und einige weitere, aber leider nicht anpassbare. Das Anpassen ist aber wirklich ein Highlight. Das erste “Digitalere“ Watchface hat insgesamt 5 anpassbare Module. So kann man zum Beispiel sich entweder das aktuelle Wetter anzeigen lassen, oder wann der Sonnenaufgang ist. In der Mitte gibt es auch eine größere Fläche wo eine Wetter-Wochenvorschau oder auch der Puls über den Tag angezeigt werden kann. Am unteren Rand kann man auch entweder den Akku, Puls etc anzeigen lassen oder auch Shortcuts für z.B die Musiksteuerung platzieren. Das Analoge Watchface hat sogar 7 anpassbare Module, was ich aber schon fast zu überladen finde. Klar, die Funktion ist von Apple abgeschaut, ich liebe diese Funktion aber trotzdem!

Die Bedienung

Die Bedienung an sich funktioniert sehr intuitiv, denn das Betriebssystem ist in alle Richtungen verteilt. Ein Wisch nach links oder Rechts führt zur einer Übersicht des Pulses und der Schritte. Ein Wisch nach unten zu einer kleinen Taskleiste mit DnD (Do not Disturb) Einstellungen oder der Helligkeit. Eine ganze Übersicht der Funktionen erreicht man über einen Wisch nach unten. Dort finden man die “Apps“: Status, PAI, Puls, Workout, Aktivitäten, Wetter, Musik, Benachrichtigungen, Alarm, Event-benachrichtigungen, Mehr, und die Einstellungen. Hinter mehr verstecken sich noch: Kompass, Timer, Countdown, und “Smartphone suchen“. Einen AppStore gibt es nicht.

Ich habe die Uhr auf Englisch benutzt, es gibt aber auch eine deutsche Übersetzung. Jetzt aber zu den einzelnen Apps.

Wetter:

Die Wetter Daten werden über die App auf dem Smartphone mit der Uhr synchronisiert. Die Daten fallen auch nicht zu knapp aus. Es kann jeweils die Wettervorhersage für den aktuellen Tag und die nächsten sieben Tage eingesehen werden. Für den aktuellen Tag kann dann zb der Sonnenverlauf mit Sonnen auf und Untergang, oder die Luftfeuchtigkeit eingesehen werden. Für die kommenden Tage werden nur die Temperatur und das allgemeine Wetter angezeigt. Die sieben Tage voraussage und weitere Wettervorhersagen können auch als Widget angezeigt werden.

Benachrichtigungen:

Eine der beliebtesten Funktionen einer Smartwatch ist die Benachrichtigungsfunktion, um sich das Handy aus der Tasche zu holen zu sparen. Hier würde ich der Amazfit GTS 4 von 5 Sternen geben. Gerade das Quadratische Display ist hier sehr sinnvoll um Text abzulesen. Auch die deutschen Umlaute wie “ä, ö und ü“ werden angezeigt. Leider aber keine Emojis… die werden einfach ignoriert. Bei bekannten Apps wie WhatsApp wird sogar das Logo der App angezeigt, bei unbekannten Apps wird einfach ein “APP“ Logo angezeigt. Erreicht werden die Benachrichtigungen entweder über den Umweg über die App-Leiste oder direkt bei der Ankunft mit einem Touch. Zusätzlich kann man auch einstellen, dass bei 2 Sekunden-Drücken auf den Knopf der Uhr die Benachrichtigungen oder jede andere “App“ geöffnet wird.

Huami-Amazfit-GTS-Benachrichtigungen-.jpg

So sehen die Benachrichtigungen auf der GTS aus.

Musiksteuerung:

Seit dem Mi Band 4 auch keine richtige Neuheit mehr, leider aber auch kein richtiger Musikplayer. Während bei der Stratos oder Pace ein interner Speicher für Musik eingebaut wurde, wurde diese Funktion der GTS vorgehalten. Die Musiksteuerung ist aber trotzdem hilfreich zum Überspringen von Titeln oder zur Steuerung der Lautstärke. Dies funktioniert mit jedem Musikplayer sei es Spotify, YT Music, Napster etc.

Huami-Amazfit-GTS-Musik

Leider ist die Musiksteuerung nur eine “Fernbedienung”.

Erinnerungen:

Habe ich persönlich nicht so viel getestet, da ich meine Erinnerungen im Google Kalender habe und es keine Möglichkeit gibt diese mit der Uhr zu verknüpfen. Es können nur Erinnerungen in der App erstellt werden. Deswegen fand ich diese Funktion für mich nutzlos. Für Leute, die kein Problem damit haben ist es eine gute Funktion.

 

Zeit (Wecker, Stoppuhr und Timer):

Die Stoppuhr habe ich nicht viel genutzt, ist aber sehr schön gestaltet. Es gibt eine analoge Version und auch eine digitale Version der Stoppuhr.

Den Timer dagegen habe ich öfters benutzt. Gerade wenn man sich ein Zeitlimit für etwas setzen möchte oder für die Pizza im Ofen ist die Funktion geeignet.

Den Wecker habe ich auch öfters ausprobiert, ihn täglich zu benutzen habe ich aber ausgeschlossen. Dies liegt aber an mir. Die Uhr hat keinen Lautsprecher und vibriert deswegen nur. Ich kann davon zwar aufwachen, doch für manch andere kann dies zu lasch sein. Vor allem vibriert der Wecker nur 5-mal und aktiviert danach automatisch den Schlummer Modus. Die Uhr vibriert erst 10 Minuten danach erst wieder.

App der Amazfit GTS:

Das Amazfit eine Tochterfirma von Xiaomi ist, merkt man spätestens bei der App. Für die Fitnesstracker wird die Mi Fit App benutzt, für die Smartwaches die Amazfit App. Doch beide Apps sind fast identisch. Sogar mein Mi Band 4 wurde direkt in die Amazfit App übertragen. Die App ist für Android sowie für iOS verfügbar. Anders als das Mi Band kann aber die GTS nur mit der Amazfit App verbunden werden.

Die Einrichtung verlief problemlos. Einfach App starten und dann dort mit der Uhr koppeln. Die App hat dann auch direkt Updates auf die Uhr geladen. Die Gesamtdauer der Updates von 40 Minuten war aber nicht so erfreulich.

Die App hat drei Reiter: Training, Freunde und Profil.

 

Im “Training“ findet ihr eure Fitness-Daten wie eure Schritte, Schlaftracking etc. und ihr könnt eure Trainings einsehen und starten. Den Freunde-Reiter ist nur wirklich sinnvoll, wenn ihr gegen eure Freunde antreten wollt, die auch Amazfit Uhren haben.

Der Profil-Reiter ist hauptsächlich für die Einstellungen der Uhr zuständig. Hier könnt ihr zum Beispiel eure Apps für die Benachrichtigungen oder auch die Frequenz der Pulsmessung einstellen. Weitere Funktionen der App könnt ihr in meinem Testbericht zum Mi Band 4 nachlesen. Genauso wie beim Schlaftracking, denn dies ist identisch.

 

Sporttracking:

Eines der wohl beliebtesten Features ist das Sporttracking. Die Uhr unterstützt stand November 2019 diese Sportmodi: Jogging-Modus (Laufband, Outdoor), ein Walking-Modus, Bergsteigen, Waldlaufen, Fahrrad fahren (Indoor, Outdoor), Schwimmen, Stepper, Ski fahren oder auch freies Training.

 

Ich konnte bisher nur das Outdoor und indoor Joggen testen und das “freie Training“. Sobald ich die anderen Sportarten testen konnte, werde ich diese hinzufügen.

 

Joggen (Outdoor):

Dieses funktioniert richtig gut. Auf der Uhr wird das Workout aufgerufen und ca. 25 Sekunden gewartet, bis das GPS gefunden wurde. Zusätzlich kann sich noch ein Ziel festlegen wie eine bestimmte Strecke, Zeit oder Kalorienanzahl. Während des Trackings wird die Strecke, Zeit, Schrittzahl, Kalorien und die Höhe erfasst. Das GPS Tracking ist nicht das genaueste, doch benutzbar. Ich bin in meinem Test drei Kilometer auf einer Leichtathletik Bahn gelaufen und das Tracking zeigt an, dass ich teilweise die Bahn verlassen hätte. Die Daten können dann auf der Uhr oder detaillierter in der App aufgerufen werden.

Joggen (Indoor):

Dies ist auch ziemlich einfach. Workout starten und los geht’s. Das Tracking ist aber nur bis auf 250m genau. Am Ende des Trainings kann man aber das Ergebnis noch ändern. Hier hätte ich aber definitiv mehr erwartet.

Huami-Amazfit-GTS-Indoor-Jogging

So sieht das Indoor Laufen in der App aus

Freies Training:

Hier wird einfach die Zeit, der Puls in Echtzeit und die zurückgelegten Meter aufgezeichnet. Apropos Puls.

Huami-Amazfit-GTS-freies-Training

So sieht da freie Training aus

Puls/Herzfrequenzmessung:

Für die Pulsmessung gibt es eine kleine “App“ mit einem Wisch nach rechts oder links. Diese zeigt dann den Puls in Echtzeit an und teilt ihn in Kategorien wie entspannt oder angestrengt ein. Wie gut die Pulsmessung letztendlich ist, kann ich nicht sagen, da ich kein Medizinischen Pulsmesser besitze. Das Ergebnis sollte aber nicht als medizinisch angesehen werden sondern, nur als Richtwert.

Huami-Amazfit-GTS-Puls

So sieht die Pulsmessung der GTS aus

Akku der Amazfit GTS:

Da wo alle “richtigen Smartwaches“ im Moment noch schwächeln, soll die GTS hier richtig glänzen. Amazfit verspricht ganze 14 Tage Akulaufzeit. Der Akku der Uhr beträgt 220 mAh. Das sind zwar weniger als zb die 410 mAh der Amazfit GTR, dafür ist die GTS schlanker. Der Akku mit dem AoD hat nur 4 Tage gehalten. Deswegen würde ich von dem AoD stark abraten, denn ohne steuere ich gerade auf 14 Tage zu. Aufgeladen wird die Uhr bequem über einen zwei Pin Ladegerät an der Unterseite in 90 Minuten.

Huami-Amazfit-GTS-Akku-AoD

Die Akkulaufzeit mit dem Always on Display ist leider schlecht

Fazit:

Meine persönliche Wahl. Die Amazfit GTS ist nicht für jeden was. Jeder muss selbst entscheiden, was für ihn eine Uhr smart macht. Wer ein wunderschönes Display mit einem viereckigen Design möchte und eine nicht ein oder zweitägige Akkulaufzeit hat mit der GTS seine Smartwatch gefunden. Für alle die aber telefonieren, Nachrichten beantworten oder einen AppStore haben möchte, für den ist die GTS und alle anderen Amazfit Uhren nichts. Wer so eine Uhr haben möchte, sollte sich einmal die Samsung oder Huawei Smartwaches anschauen.

Kritisieren möchte ich aber, dass die Uhr keinen richtigen internen Speicher hat. So kann man beim Joggen nicht sein Smartphone zu Hause lassen, wenn man Musik hören möchte. Auch das Always On Display hat mich leider enttäuscht, da es einfach viel zu viel Akku zieht.

Mir gefallen aber vor allem die anpassbaren Watchfaces, leider gibt es aber von denen bisher nur zwei Stück.

 

Mein Test ist aber noch nicht zu 100 % fertig. Sobald es neue Funktionen gibt oder ich ein neues Sporttracking getestet habe, werde ich den Testbericht updaten.

 

Die Uhr könnt ihr bei Saturn kaufen: https://www.saturn.de/de/product/_amazfit-gts-2602959.html

 

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