10 Tage Nintendo Switch – so schlägt sich die Hybridkonsole

Nintendo ist quasi der Veteran überhaupt, wenn es um Spielekonsolen geht. Umso mehr Aufsehen erregt die Firma, wenn Sie eine neue Konsole auf den Markt bringt. Doch in der Vergangenheit hatte sich selbst Nintendo schwer damit getan, den Markt zu bedienen. Die Wii U konnte nie so recht Fuß fassen und blieb mit schlechten Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Vielen war klar – mit der nächsten Konsole sollte sich die Geschichte nicht wiederholen. Nintendo musste gewaltig aufwarten. Und heraus kam dabei die Switch.

Was ist die Switch?

Bei der Switch handelt es sich um die neuste Hardware von Nintendo. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein Handheld-Konsolen-Hybrid ist (welcher laut Nintendo selbst als Konsole anzusehen ist, und entgegen erster Spekulationen nicht den 3DS ablösen soll). Die generelle Form der Konsole ähnelt einem Tablet, an dem links und rechts die Controller (genannt JoyCons) befestigt werden können. Um die Switch dann auch als Konsole nutzen zu können wird ein TV-Dock mitgeliefert, welches es ermöglicht, die Konsole via HDMI mit einem Fernseher zu verbinden.

Der erste Eindruck

Zu Beginn habe ich mir die Switch im “Handheld-Modus” angeschaut. Die Konsole liegt hierbei gut in der Hand. Das Gewicht ist in Ordnung, auf

Die Nintendo Switch im Handheld-Modus.

Die Nintendo Switch im Handheld-Modus.

Dauer ermüden die Hände nicht so stark wie man es evtl. befürchtet. Das 6,2 Zoll 720p Display hat einen sehr großen Blickwinkel und gibt die Farben gut wieder, lediglich die maximale Helligkeit lässt meiner Meinung nach etwas zu wünschen übrig. Die eingebauten Lautspecher erzeugen einen überraschend zufriedenstellenden Klang den ich so nicht erwartet hatte. Auch die maximale Lautstärke ist in Ordnung.
Was die Akkulaufzeit angeht, diese ist stark vom jeweiligen Spiel abhängig. Laut Nintendo schwankt die Akkulaufzeit zwischen 2,5 und 6 Stunden. Diese Angabe kann ich bestätigen, während man The Legend Of Zelda Breath Of The Wild spielt nimmt die Akkuladung sehr gut ab und nach gut 2,5 Stunden ist dann auch wirklich Schluss mit lustig. Spiele welche weniger Grafikinvensiv sind kommen auf weitaus mehr Laufzeit, so schont z.B. Shovel Knight den Akku deutlich stärker als das futuristische Rennspiel Fast RMX. Alles in Allem kann ich bei der maximalen Akkulaufzeit nicht viel meckern, diese ist auf jeden Fall akzeptabel.
Steckt man die Switch nun ins Dock kann man sie im TV-Modus nutzen. Hierbei ist es freigestellt, ob man die JoyCons getrennt in der linken und rechten Hand hält, was sehr stark an die Bedienung der Wii erinnert, oder ob man sie mittels einer mitgelieferten Halterung zusammensteckt und dann wie einen klassischen Controller benutzt. Trotz der geringen Größe der JoyCons (und ich sage das als jemand mit relativ großen Händen) liegen diese gut in der Hand und lassen sich auch ohne Verkrampfen bedienen. Gerade das Setup in dem die JoyCons in der Controller-Halterung sind sieht auf Bildern immer besonders unbequem aus – dem ist aber nicht so.

Die Halterung ist überraschend angenehm in den Händen zu halten und bereitet keinerlei Probleme. Alles in Allem macht die Bedienung der Switch spaß und man merkt deutlich, dass Nintendo sich beim Design der Hardware deutliche Gedanken gemacht hat was die Bedienung angeht. Die Mankos liegen an anderer Stelle.

Das böse Erwachen

Wenn der erste Anflug von Euphorie langsam nachlässt werden nach und nach die (hier eher bildlichen, nicht realen) Ecken und Kanten deutlich. Wer gerne lange im Handheld- oder Tabletop-Modus spielt (Tabletop: Die Konsole mittels Kickstand auf dem Tisch aufgestellt) merkt, dass die Ladebuchse unglücklich positioniert ist. Schließt man das Ladekabel an hat man ständig das Kabel an der Unterseite der Switch hängen, was das Spielen im Liegen unbequem macht (das selbe Problem existiert auch bei Sonys Playstation Vita) und das Nutzen der Konsole im Tabletop-Modus ganz unmöglich macht. Hätte man ein abgewinkeltes Stromkabel beigelegt hätte man wenigstens kein Problem im Handheld-Modus, hier besteht Nachbesserungsbedarf.
Will man diesem aus dem Wege gehen, lässt man die Switch einfach die ganze Zeit im TV-Dock stehen und spielt am Fernseher, so hat wenigstens die Konsole die ganze Zeit Strom. Nur die JoyCons leider nicht. Nach 15 bis 20 Stunden ist hier der Akku leer. Doch wie lädt man komplett kabellose Controller, welche keinen einzigen Stecker haben? Tatsächlich haben beide JoyCons an den Schienen, mit denen sie Eingehakt werden, kleine Kontakte über die sie geladen werden. Um sie zu laden muss man sie allerdings an die Konsole direkt anschließen, der beigelegte Halter ermöglicht das Laden nicht. Eine separate JoyCon-Controller-Halterung mit Ladefunktion bietet Nintendo an – verlangt dafür aber prompt 30€ (als ich meine Konsole beim Spielehändler vor Ort abholte, konnten sie mir keine geben, es sind lediglich 2 Halterungen geliefert worden).
Auch beim restlichen Zubehör langt der Konzern aus Japan gut zu. Eine Transporttasche mit Platz für 5 Spiele kostet 20€ (immerhin liegt hier eine Display-Schutzfolie bei), ein “Pro-Controller”, welcher vom Design her eher den etablierten Controllern ähnelt, schlägt gleich mit 70€ zu Buche. Wem seine JoyCons kaputt gehen oder wer sie sogar verlegt zahlt für beide zusammen 80€, für einen einzelnen “nur” um die 50€, je nach Händler.

Nintendo Switch Pro Controller

Der Nintendo Switch Pro Controller schlägt mit 70€ zu buche.

Der Erwerb einer microSD-Speicherkarte ist quasi pflicht, da die Konsole nur mit 32GB Speicherplatz kommt, von denen um die 25GB nutzbar sind. Es wird der microSDXC-Standard unterstützt, Speicherkarten mit 128GB (und theoretisch mehr) werden nach einem Softwareupdate problemlos unterstützt.
Hat man sich dann vom Shopping erholt und endlich die Konsole angeworfen, so wird es gleich wieder bitter. Die Auswahl der Spiele ist nicht gerade überwältigend. Neben dem Plattform-Seller The Legend Of Zelda Breath Of The Wild standen zum Launch der Konsole lediglich 8 weitere Titel zur Verfügung, davon waren 3 Indies (dies ist keinesfalls Abwertend gemeint, lediglich eine Feststellung um den Support von Nintendo für die eigene Plattform zu unterstreichen). Es kommen ständig neue Titel in den eShop, aber etwas mehr hätte ich mir da trotzdem gewünscht.
Abgesehen von der Spielesituation ist die auch Firmware der Konsole alles andere als fertig.

Elementare Funktionen wie z.B. das Chatten mit Freunden ist nicht implementiert, dies wird voraussichtlich im Sommer in Form einer Smartphone-App nachgereicht. Auch Zugang zu Netflix, YouTube und co. sucht man vergeblich – auch hier wieder nur eine Ankündigung, dass diese Funktionen nachgereicht werden. Wer einen Webbrowser sucht wird ebenfalls enttäuscht. Die Switch kommt komplett ohne, vermutlich aus Gründen der Systemsicherheit.
Hat man sich von all diesen Sachen trotzdem nicht abschrecken lassen schlägt aber die letzte negative Tatsache zu – die schwache Hardware. Dies war wohl das Argument überhaupt, mit dem man ein nicht-kaufen der Konsole rechtfertigen konnte. In dem kleinen Konsolen-Hybriden schlägt ein richtiges Tablet-Herz, Nintendo verbaut einen nvidia Tegra SoC, also einen Prozessor auf ARM-Basis.

Dies begründet sich offensichtlich in der Tatsache, dass ARM-SoCs ganz einfach stromsparender Arbeiten als Einheiten anderer Architekturen, dafür aber nicht auf eine vergleichbare Leistung kommen. Bereits bei Breath Of The Wild macht sich dies bemerkbar. Es gibt an einigen Stellen Framedrops, gerade in Wäldern, also bei viel dynamischer Beleuchtung, und an Stellen mit vielen Effekten. Besonders im TV-Modus, bei dem das Spiel mit 1080p statt 720p gerendert wird, treten die Framedrops öfter auf als im Handheld-Modus. Eine Grafikleistung wie bei Sonys Playstation 4 oder Microsofts Xbox One darf man deshalb nicht erwarten. Nintendo hatte auch betont, dass die Switch nicht in Konkurrenz zu den Konsolen stehen soll. Immerhin wissen sie, wann sie einen Kampf nicht gewinnen können.

Die Wiedergutmachung

The Legend Of Zelda - Breath Of The Wild Screenshot

The Legend Of Zelda – Breath Of The Wild Screenshot

Wenn man jetzt die oberen Absätze gelesen hat, fragt man sich vielleicht wieso man sich überhaupt so eine Konsole holen sollte. Und der Grund ist einfach. Sie ist einfach fantastisch – man muss die Switch nur als das sehen was sie ist.
Ich konnte auf der Switch bisher 4 Spiele spielen (The Legend Of Zelda Breath Of The Wild, Shovel Knight, Blaster Master Zero und Fast RMX), und jedes einzelne dieser Spiele ist auf der Konsole einfach fantastisch. Die Steuerung mit den JoyCons ist einfach spot-on, Breath Of The Wild und auch Fast RMX sehen fantastisch aus, und die Tatsache dass man die Konsole mitten im Spielen einfach aus dem Dock entfernt und innerhalb von nicht einmal 2 Sekunden das komplette Spielerlebnis in der Hand hält, ist einfach überwältigend.

Fast RMX Screenshot

Fast RMX Screenshot

Die Akkulaufzeit abseits von Breath Of The Wild ist besser als ich ursprünglich erwartet hatte, die Konsole kommt super damit klar, im laufenden Spiel mittels Home-Taste das Systemmenü aufzurufen und z.B. Screenshots mit Freunden zu teilen oder einen Einkauf im eShop zu tätigen. Von allen Konsolen die ich bisher benutzt habe ging es bisher bei keiner so schnell und flüssig wie bei der Switch.

Unsere Meinung:

Von etwaigen Problemen mit der Verarbeitung der Konsole, oder Kratzern, die das Dock auf dem Display hinterlassen soll, haben wir nichts gemerkt. Die Switch ist super verarbeitet, das Display hatte bei unserem Redakteur keinen einzigen toten Pixel, lediglich die Reichweite des linken JoyCons könnte etwas besser sein.

Fazit

Als Fazit kann man ganz deutlich sagen, dass der Launch der Switch nicht ideal war. Den Mangel an Launch-Titeln und das teure Zubehör kann man nicht schön reden. Womit die Konsole aber auf jeden Fall punktet ist das Gefühl, wenn man sie in den Händen hält. Es macht einfach Spaß die Konsole zu bedienen, sie jederzeit überall mit hin nehmen zu können, und die für die Zukunft angekündigten Titel sind mehr als vielversprechend.
In ihrem jetzigen Zustand kann man durchaus zögern, sich eine Nintendo Switch zuzulegen, doch die Konsole hat ein riesen Potenzial. Ich habe den Kauf nicht bereut, und von dem was ich bisher gehört habe auch noch kein anderer – die Konsole ist in den meisten Geschäften seit dem Erscheinen am 03. März ausverkauft.

Bildquellen: Nintendo